Die Sanierung des Ratskellers ist abgeschlossen. Der älteste Profanbau der Stadt am Markt 9 hat in seinem Saal im oberen Stockwerk seine erste „Feuerprobe“ bestanden. Denn letzten Donnerstag wurde er feierlich eröffnet. „Man musste viel Fantasie haben, um sich vorzustellen, wie das Innenleben nach Fertigstellung aussehen könnte“, sagt Bürgermeister Arno Jesse. Städtebaulich sei dies ein zentrale Punkt am Markt und somit sei es keine guten Alternative gewesen, hier nichts zu tun. Rund fünf Millionen Euro flossen in die Sanierung, davon wurden ca. 60 Prozent über die Städtebauförderung finanziert.
Im August 2016 musste die Ratshausgasse wegen Einsturzgefahr des Ratskellers für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Ab diesem Moment begann der Weg der Sanierung des ersten und ältesten Rathauses der Stadt Brandis. Heute erstrahlt das Gebäude von außen in seinem alten Glanz. Im Innern zeigt es sich modern und praktisch. Denn im Erdgeschoss hat die Stadtbibliothek ihr neues Domizil. Der Saal im oberen Stockwerk wird unter anderem für Stadtratssitzungen oder für Veranstaltungen genutzt und kann gemietet werden.

Zur Eröffnung waren knapp 100 geladene Gäste vor Ort und konnten hochkarätiger Kultur lauschen: Das Bläserquinitett der Sächsischen Bläserphilharmonie gab sich die Ehre. Hintergrund ist u.a., dass die Musiker zukünftig regelmäßig hier Auftritte ins Auge fassen. „Wir werden in Zukunft sehr gern hier Kammerkonzerte geben und so die Kultur in die Innenstadt zurückholen. Genau wie es die Bücher in der Bibliothek tun“, sagt Dr. Christian Saalfrank, geschäftsführender Intendant der Sächsischen Bläserphilharmonie. Denn die Kultur sei das Herz der Gemeinschaft.
Das sieht auch Landrat Henry Graichen so. In seinem Grußwort lobte er das Ansinnen der Stadt Brandis, dass es hier immer wichtig sei, mit Kultur zu punkten. Weshalb er die Eröffnungsfeier als einen würdigen Abschluss der langwierigen Arbeiten empfinde. Die teilweise zähe denkmalpflegerische Diskussion gehört in diesen Tagen dazu. „Gäbe es diese nicht, wäre das Gebäude so nicht mehr da. Hier wurde Historisches mit neuen Nutzungsmöglichkeiten verbunden.“

Begleitet wurde die Sanierung seit 2017 vom Planungsbüro Kewitz und Junker GbR. In dem Jahr bekam Andreas Kewitz den Auftrag, sich das Gebäude anzusehen und eine Einschätzung abzugeben, ob es sanierungsfähig und vor allem, ob es sanierungswürdig sei. „Anfangs hatte ich ein mulmiges Gefühl, aber dann war ich mir sicher, dass es machbar ist.“ Der Ratskeller sei das Gesicht der Stadt am Markt und biete Gebäudekanten zu den Gassen. Man könne nicht davon sprechen, dass es eine 0815-Geschichte gewesen sei. Er sei aber dankbar, dass Kompromisse zustande gekommen seien. „Denn es ist wichtig, das Alte zu erhalten und auch zu zeigen“, so Kewitz.
Mit einem Buffet, Getränken und lockeren Gesprächen endete die feierliche Eröffnung.
Stadt- und Lesefest mit Hitze-Variante
Nach der gelungenen feierlichen Eröffnung waren Bürgerinnen und Bürger am darauffolgenden Wochenende eingeladen, sich das sanierte Gebäude beim Stadt- und Lesefest von innen anzuschauen. Auf dem Markt gab es zudem verschiedene Stände, Bastelmöglichkeiten, Getränke und Speisen. Am Samstag kamen allein 400 Personen in die Bibliothek, 80 Personen besuchten die Lesung mit André Herrmann, ca. 70 Personen waren beim Poetry Slam Wettbewerb. Ebenfalls wurden die beiden Führungen durch das Hauss ausgesprochen gut angenommen. Allein dafür hat es sich gelohnt, das Lesefest nicht abzusagen. Kameraden der Brandiser Ortswehr sorgten dankenswerterweise mit kühlem Wasser für zumindest kurze Abkühlung.

„Erwartungsgemäß fanden die vielfältigen Angebote auf dem Marktplatz nicht den Anklang wie erwünscht. Aber knapp 40 Grad machten ein Verweilen im Freien zu einer echten Herausforderung“, bedauert Bürgermeister Arno Jesse. Dass über 100 Leute zur abendlichen DJ-Musik mit den Eastbeatbrothers kamen und teilweise trotz der Wärme tanzten, versöhnte zumindest ein wenig. Nach dem Gottesdienst in der Stadtkirche spielte sich das Programm am Sonntag kurzfristig ausschließlich im Ratskeller ab. Auch an diesem Tag hatte die Bibliothek geöffnet, die Besucher konnten einer weiteren Lesung lauschen und abschließend beschwingt mit dem Musikverein in den Sonntagnachmittag gehen.

Ein großes Dankeschön an alle, die trotz der Hitze Bastelangebote gemacht, gegrillt, frittiert und Getränke ausgeschenkt haben!

